Mittwoch, 10. Januar 2018

Interview mit einem Autor ... diesmal Thomas Kastura



Thomas Kastura.de

Autor für den Bayerischen Rundfunk. Zahlreiche Erzählungen, Jugendbücher und Kriminalromane, Herausgeber mehrerer Krimianthologien. Thomas Kastura ist ein vielseitiger Schriftsteller! Langweilig wird es da einem bestimmt nicht, weil er für jeden Geschmack etwas schreibt. Und wie ich in seiner Bibliographie gelesen habe, sind da schon das ein oder andere Buch drin, was mir echt gefallen könnte 😊. Der sympathische Bamberger hat aber schon immer geschrieben, mal als Übersetzter, mal als Dozent an der Uni oder eben als Textautor für den Bayerischen Rundfunk. Thomas Kastura wird übrigens auch bei mir bei den „fränkische Autoren“ vorgestellt. Und nun schauen uns wir den vielseitigen Autoren doch mal genauer an 😊.  Vielen Dank für das Interview, Thomas! Das ist sehr interessant!

·         Wie kamst Du auf die Idee zum letzten Buch?
o   Auf einer Reise zu den schottischen Hebrideninseln.
(ich mag Schottland!)
·         Sind dort eventuell biografische Elemente mit darin verarbeitet?
o   Kein Autor kann das verhindern. Aber im Fall meines aktuellen Romans, der im März 2018 unter Pseudonym erscheint, überwiegt die Fiktion zu 99 Prozent.
·         Ist schon ein neues Buch in Bearbeitung und wenn ja, möchtest Du mir kurz verraten, worum es diesmal geht?
o   Hab gerade erst angefangen. Schwarze Komödie, vermutlich. Mehr will nicht verraten.
·         Wärst Du lieber der Schurke oder der Gute in Deinen Krimis, falls Du dort eine Rolle spielen könntest?
o   Bei mir sind die Schurken oft die Guten. Deshalb: beides.
·         Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
o   Zwingend vor Ort und mit allem, was sonst zur Verfügung steht, Landkarten, Bibliotheken, Internet. Und Gespräche mit Fachleuten.
·         Hast Du lange gebraucht, um einen Verlag zu finden, der Deine Bücher druckt und herausbringt?
o   Das ging ganz schnell, ein Glücksfall, für den ich immer noch sehr dankbar bin.
·         Du schreibst ja viele verschieden Genre. Krimis, Filmromane, Jugendromane und vieles mehr. Wie kam es dazu?

  •  Ich probiere gern etwas Neues aus. Aber mit der Festlegung auf Genres kann ich nicht viel        anfangen. Meiner Ansicht nach ist „Genre“ kein literaturwissenschaftlicher Begriff, höchstens ein marktwirtschaftlicher – als Unterscheidungshilfe für die Verlage und den Buchhandel; oder ein rhetorischer – als Abgrenzungsvokabel des Feuilletons. Meine „Jugendromane“ haben zwar Jugendliche als Hauptfiguren, sind aber All Age-Romane. Meine Krimis oder Thriller sind zwar spannend (hoffentlich!), aber auch Gesellschaftsromane oder politische Romane.

·         Du warst bestimmt nicht immer Autor. Welchen Beruf hast Du vor dem Schreiben ausgeführt und seit wann bist Du am Schreiben.
o   Ich war mit 16 Jahren schon Übersetzer (ein Tolkien-Quizbuch, dass 1983 bei dtv erschien), und seither habe ich immer geschrieben und davon zu leben versucht, erst als Kulturjournalist und Dozent an der Uni, dann als Textautor des Bayerischen Rundfunks und als Schriftsteller. Wenn mir das nicht mehr gelingt, muss ich mir etwas anderes zum Broterwerb suchen.
·         Wann hast Du herausgefunden, dass Du das Schreiben hauptberuflich machen möchtest?
o   Beim Schreiben der Erzählung „Jan Mayen“ für eine Anthologie des Aufbau Verlags, im Jahr 2000. Damals ist der Knoten geplatzt. Von der Reportage zur Fiktion, vom Bericht zur freien Erfindung, zum Schöpferischen.
·         Hat sich Dein Leben verändert, als Du Dein erstes Buch herausgebracht hast?
o   Fundamental. Ich habe sofort gewusst, dass ich endlich angekommen bin, habe ich mich auch nicht mehr als Journalist, sondern als Schriftsteller bezeichnet. Mein Selbstbild hat sich total gewandelt. Zur gleichen Zeit, quasi parallel, sind meine beiden Töchter zur Welt gekommen. Heute weiß ich nicht mehr, was zuerst kam: Vater werden oder ein Buch schreiben? Bei mir fiel das zusammen.
·         Wie sieht momentan Dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben? Und wie baust Du den Alltag in das Schreiben ein?
o   Die Zeiten, als ich mir eine feste Seitenvorgabe gesetzt habe (täglich 3 Seiten), sind leider vorbei. Ich arbeite eher in Schüben, heute mal von 17 Uhr bis 2 Uhr, morgen von 14 bis 16 Uhr, ohne Kontinuität. Aber irgendwie werde ich doch immer fertig. Für einen Perfektionisten wie mich ist das schwer erträglich. Gerade bin ich dabei, meine Social-Media-Aktivitäten zu reduzieren. Das hilft.
·         Hast Du noch Projekte, die Du in Zukunft erreichen oder beenden willst?
o   Ein anspruchsvoller Science-Fiction-Roman würde mich reizen, etwas, das in naher Zukunft spielt. Aber keine Dystopie, davon gibt es mehr als genug.
·         Was hat dir dein Vater und was hat dir deine Mutter mitgegeben?
o   Von meinem Papa habe ich wohl Akribie und Hartnäckigkeit. Meine Mutter hat mich eine gewisse Vorsicht gelehrt. Und Familiensinn, der ist ganz wichtig.
·         3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazu gehören?
o   Ein langer Waldspaziergang, danach ein leckeres Pasta-Gericht und 10 neue Romanseiten.
·         Welcher Film bringt dich zum Lachen und welcher zum Weinen?
o   „Das Leben des Brian“ hat mich schon als Jugendlicher pausenlos zum Lachen gebracht; „So viele Jahre liebe ich dich“ – ein ergreifendes, intensives Familiendrama
       (bei "Das Leben des Brian" kann ich voll zustimmen. So oft gesehen und immer noch lachen)
·         Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen und warum?
o   „Die grauen Seelen“ von Philippe Claudel. Da stimmt alles: Sprache, Figuren, Stoff, Handlung, Konstruktion, mein Lieblingsbuch, ich lese es immer wieder.
·         Lebensmotto?

  • Ich habe keines. Vielleicht: keine halben Sachen.

·         Was würdest du deinen Lesern gerne einmal sagen?
o   Bewahrt Euch die Neugier. Sucht nicht das ewig Gleiche, das Euch in Euren Ansichten bestätigt, sondern das Andere, Ungewöhnliche, das Euch erschüttert und aus der Bahn wirft. Bücher tragen Euch an Plätze, die Ihr nicht kennt, und eröffnen Ausblicke auf Orte, die Ihr nie betreten werdet. Ihr trefft Figuren, die Euch vielleicht für den Rest des Lebens begleiten. Das ist der Zauber der Literatur, lasst ihn wirksam werden!
      (Das ist sehr schön gesagt!)
·         Bestimmt wirst Du oft in Interviews das Gleiche gefragt. Welche Fragen kannst Du nicht mehr “lesen” und welche Frage würdest Du gerne einmal beantworten?
o   Warum ich Krimis schreibe, das mag ich nicht mehr hören. Oder ob man davon leben kann. Inhaltliche Fragen kommen meist nur selten: Worum es eigentlich in diesem oder jenem Roman geht. Was ich damit beabsichtigt habe.
·         Planst Du Deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?
o   Planung ist das A und O, ohne ein schlüssiges Exposé, braucht man gar nicht erst anzufangen. Aber man sollte sich die Freiheit nehmen, von dem Plan abzuweichen. Es kann sein, dass bestimmte Figuren wichtiger werden und andere in den Hintergrund treten. Es kann auch sein, dass in einer Handlung verborgene Stränge zutage treten, die man dann verfolgen muss wie eine Erzader.
·         Hast du selber schon mal die Orte/Gegenden bereist von denen Du in deinen Romanen so schreibst? Und was lässt Dich immer wieder solche Orte für Deine Romane auswählen?
o   Man sollte die Schauplätze, über die man schreibt, unbedingt aus eigener Anschauung kennen – zumindest bei Romanen. Für die Inspiration und für authentische Beobachtungen ist das ganz wichtig. Oft ist es auch so, dass mir an Orten, die für mich neu sind, Geschichten dazu einfallen oder dass sie sich nach und nach bilden. Die menschliche Vorstellungskraft braucht immer Leerräume, die sie füllen möchte.
·         Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir?
o   Um mehr über das Schreiben zu erfahren? Das ist ja ein ganz weites Feld. Ich selbst finde Schriftstellerbiografien immer interessant. Manchmal stöße ich dabei auf Zitate, mit denen ich für meine eigene Schreiberei etwas anfangen kann. Jostein Gaarder meinte zum Beispiel, man könne die Fantasie trainieren wie einen Muskel. In Bezug auf Ideen stimmt das, davon bin ich überzeugt.
      (stimmt, ich lerne gerne neue Autoren und deren Biografien kennen)
·         Wie gehst du mit negativen Rezensionen um?
o   Leider lässt sich aus negativen Rezensionen selten etwas lernen. Meist geben sie nur Aufschluss über die (starren) Lesewartungen des Rezensenten. Deshalb versuche ich, solche Rezensionen zu ignorieren. Manchmal, wenn kompletter Bockmist oder Falschbehauptungen drinstehen, kommentiere ich das für meinen Seelenfrieden.
 ·         Was magst du überhaupt nicht in Büchern?
o   Austauschbare, stereotype Sprache, „Heruntererzählen“; andererseits aber auch manierierte, gekünstelte Sprache. Schon auf den ersten Seiten merkt man an der Sprache, worauf es einem Autor oder einer Autorin ankommt. Reißt ja jemand nur einen Riemen herunter? Produziert sich da jemand nur selbst? Oder will mich jemand auf eine Reise mitnehmen? Dann wäre ich sofort dabei.



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