Montag, 20. März 2017

Interview mit einer Autorin ... heute Klaudia Diekmann

 Bildergebnis für Es war einmal– klar, fast alle Märchen fangen so an. Und Märchen gibt es schon sehr lange. Man kennt sie – oder sollte sie zumindest kennen.  Aber vielen sagt z. B. Gebrüder Grimm was. Ich bin z. B. mit Märchen groß geworden und liebe sie heute noch.
Ein Königssohn ritt einst am Turm im Wald vorbei.
mit freundlicher Genehmigung von Klaudia Diekmann
Märchen entführen einen in eine andere Welt. Ja gut, das tun Krimis und Co auch, aber bei Märchen ist es eine besondere Welt. Eine verzauberte, bezaubernde und auch lehrreiche Welt.
Und da kommt dann Klaudia Diekmann ins Spiel. Weil sie die Märchen mal anders erzählt, nein nicht vom Inhalt her, sondern von der Art her. Tischlein deck dich z. B. (kennt Ihr doch!). Aber habt ihr dieses Märchen schon mal als Ballade gelesen?
Oder kennt Ihr die Märchen so?
So zog er also durch die Wälder,
in Stiefeln aus dem feinsten Leder,
lief durch die Wiesen und die Felder,
im Hut stak eine rote Feder.

Als Quiz? Nein, dann solltet Ihr mal die Autorin kennen lernen und ihre eigene Art, die Märchen zu erzählen! Ich jedenfalls war von dem Buch
WER? WAS? WIE? WARUM? UND IN WELCHEM MÄRCHEN? ein kriminelles Märchenquiz
begeistert. Erstens bin ich Krimifan und zweitens mag ich Märchen.
Überhaupt, auch ihre Homepage ist ein „Märchen“ . Da gibt es so viel zu entdecken und zu schauen. Ein Besuch lohnt sich da auf jeden Fall.
Aber nun genug von mir. Ich freue mich, das Klaudia auf meinen braunen Sofa Platz genommen hat und mir einige Fragen beantwortet hat. Vielen lieben Dank dafür. 


Warum Märchen? Warum die Brüder Grimm und nicht z. B. Anderson Märchen?
Ich bin mit den Grimm’schen Märchen großgeworden. Im Nachhinein finde ich auch,
Gebrüder Grimm Märchen
dass diese die archetypische Erfahrung der Menschen viel besser wiedergeben als die die der anderen Schriftsteller. Die Brüder Grimm haben sie ja auch nur gesammelt und nicht selbst geschrieben. Sie spiegeln den ganzen Erfahrungsschatz der Menschen zu allen Zeiten.
Ist schon ein neues Märchenbuch in Bearbeitung?
Ja, ich schreibe unaufhörlich, zuletzt DIE WEISSE SCHLANGE, die demnächst erscheint.
Warum schreibst du gerade in diesem Genre?
Ich wollte mich mit Märchen schreibend beschäftigen, habe mir auch welche selbst ausgedacht, aber da fehlt eben die „Tiefe“, finde ich.
Schreibst Du nur Märchen oder auch andere Genrebereiche?
Ich schreibe unterm Pseudonym auch kitschige Liebesromane, also Märchen für romantisch veranlagte, erwachsene Frauen. Außerdem natürlich alle möglichen Gedichte.
Soll oder kann man was aus Märchen lernen?
Wie schon oben genannt, helfen gute Märchen, seelische Prozesse besser zu durchleben und zu verstehen. Sie sprechen die Seele an, nicht den Verstand.
Wie wichtig sind Märchen heutzutage?
Deshalb ja sind sie in unserer kopflastigen Zeit wichtig. Und die Menschen sehnen sich nach Phantasie. Nicht umsonst erlebt die Fantasy-Literatur solch einen Boom.
Wie kamst du auf die Idee, Märchenrätsel zu schreiben? Oder Balladen?
Da ich gerne reime, kam ich auf die Idee, dies mit Märchen zu versuchen. Schon als Kind fand ich, dass es zu wenig Märchengedichte gab, außer HÄNSEL UND GRETEL VERLIEFEN SICH IM WALD und DORNRÖSCHEN WAR EIN SCHÖNES KIND, kannte ich nichts anderes. Und diese waren mir außerdem viel zu kurz. Und Balladen finde ich rhythmisch so eingängig. Ich träume davon, dass irgendjemand Lust hat, sie zu vertonen und zu singen.
Da es nicht einfach war, meine Märchenballaden zu verkaufen, die Menschen aber gerne raten, habe ich aus meinen Werken ein Rätselbuch zusammengestellt, als einen „Teaser“ gewissermaßen. Und dann noch zwei andere. Diese verkaufen sich ganz gut.
Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
Überall. Ich habe viele Bücher mit Märcheninterpretationen gelesen, wobei ich in meinen Märchenballaden darauf achte, möglichst neutral die Geschichten wiederzugeben. Jeder Mensch ist anders und findet andere Aspekte für ihn wichtig.
Hast Du lange gebraucht, um einen Verlag zu finden, der Deine Bücher druckt und herausbringt?
Ich habe immer noch keinen gefunden. Meine Literatur ist offensichtlich nicht im Mainstream. Also habe ich beschlossen, meine Bücher selbst zu veröffentlichen.
Dafür musste ich etliche technische und geschäftliche Kenntnisse erwerben. Mittlerweile macht mir diese Arbeit auch großen Spaß.
Du warst bestimmt nicht immer Autor. Welchen Beruf hast Du vor dem Schreiben ausgeführt und seit wann bist Du am Schreiben.
Ich habe als Lehrerin Fremdsprachen unterrichtet und mit meinen Schülern und Schülerinnen viel kreativ gearbeitet. Das Schreiben begleitet mich also mein Leben lang. Ernsthaft habe ich damit in der Schwangerschaft meines dritten und letzten Sohnes begonnen. Da hatte ich auf einmal mehr Zeit, um kreativ zu sein, weil ich eine längere Erziehungspause machen konnte. Und ein Buch wollte ich schon als Kind herausgeben.
Wann hast Du herausgefunden, dass Du das Schreiben hauptberuflich machen möchtest?
Ich bin mittlerweile pensioniert und habe viel Zeit zum Schreiben. Das ist jetzt mein Hauptberuf. Und das ist gut. Ich kann nicht nur Däumchen drehen.
Hat sich Dein Leben verändert, als Du Dein erstes Buch herausgebracht hast?
Es war toll, mein erstes Buch in den Händen zu halten! Und es hat mich motiviert weiterzumachen.
Wie sieht momentan Dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben? Und wie baust Du den Alltag in das Schreiben ein?
Ich plane, seitdem ich nicht mehr in der Schule arbeite, nicht mehr viel. Manchmal sitze ich den ganzen Tag vor dem Computer, schreibe, layoute, mache Marketing,
an anderen Tagen nur ein, zwei Stunden. Ich muss nichts mehr. Wunderbar! Aber es ist schön, eine sinnvolle Beschäftigung zu haben.
Hast Du noch Projekte, die Du in Zukunft erreichen oder beenden willst?
Mein Mann zeichnet wunderschön, und wir sind gerade dabei, ein Abc-Buch für unsere Enkeltochter in Australien zu machen. Das wird richtig gut!
Was hat dir dein Vater und was hat dir deine Mutter mitgegeben?
Eine tolle Frage! Mein Vater hat mich in meinem Ehrgeiz sehr bestärkt und das Durchhaltevermögen vorgelebt. Durch ihn habe ich Selbstvertrauen gelernt.
Und meine Mutter hatte diese träumerische Seite. Ich glaube, sie hätte gerne selbst geschrieben. Manchmal denke ich, ich schreibe für sie.
3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazu gehören?
Eine schöne Tasse Tee, ein Hundespaziergang, und nette Feedbacks meiner Leserinnen und Leser!
Welcher Film bringt dich zum Lachen und welcher zum Weinen?
Eigentlich viele. HONIG IM KOPF hat beides geschafft.
Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen und warum?
Mir fällt nichts Bestimmtes ein. Es gibt viele gute Bücher. Ich mag die Romane von Marianne Fredriksson. Sie sind unterhaltsam und trotzdem tiefsinnig, wenigstens ihre ersten: EVA, ABELS BRUDER und NOREAS GESCHICHTE.
Von welchem Buch sollte man die Finger lassen und warum?
Das kann ich nicht sagen, wenn mir ein Buch nicht gefällt, lese ich es nicht.
Lebensmotto?
MAN SIEHT NUR MIT DEM HERZEN GUT.
Was würdest du deinen Lesern gerne einmal sagen?
Danke, dass ihr meine Märchenballaden zu würdigen wisst!
Bestimmt wirst Du oft in Interviews das Gleiche gefragt. Welche Fragen kannst Du nicht mehr “lesen” und welche Frage würdest Du gerne einmal beantworten?
Auf gleiche Fragen gebe ich je nach Tageslaune Antworten. Ich langweile mich nicht so schnell.
Gerne beantworten würde ich: Wie sind Sie zur Bestseller-Autorin geworden?
Planst Du Deine Bücher immer von Anfang bis Ende?
Nein, leider nicht. Vielleicht würde das meine Romanarbeit erleichtern, doch Planen ist nicht meine Stärke. Ich habe lieber einen roten Faden, den ich ab und zu entwirren muss.
Bei den Märchen ist die Struktur ja vorgegeben und ich muss nur noch reimen.
Hast du selber schon mal die Orte/Gegenden bereist von denen Du in deinen Romanen so schreibst? Und was lässt Dich immer wieder solche Orte für Deine Romane auswählen?
Meine Liebesromane spielen alle an Orten, die ich gut kenne. Wenn ich in eine neue Gegend komme, habe ich relativ schnell eine neue Geschichte im Kopf. Neue Länder und Städte inspirieren mich.
Wie gehst du mit negativen Rezensionen um?
Ich schaue, ob da etwas ist, was ich nachvollziehen kann. Dann denke ich darüber nach, wie ich es besser machen könnte.
Eine Rezension sagt oft mehr über den Rezensenten aus als über das Buch. Wenn jemand zum Beispiel das Thema kritisiert, dann nehme ich das nicht ernst, denn das ist die Entscheidung einer Autorin. Wenn aber gesagt wird, dass in meinem Buch die Spannung fehlt, dann muss ich in mich gehen.
Was magst du überhaupt nicht in Büchern?
Dass sie irgendwann enden müssen.