Freitag, 10. Februar 2017

Interview mit einem Autor.... heute Volker Bitzer



Diesmal habe ich einen Autor im Gespräch. Nach all den netten Autorinnen (endlich) mal ein netter Autor!!
VolkerBitzer ist nicht ein Teil von den Bremer Stadtmusikanten, obwohl er in Bremen geboren ist. Nein er ist der Autor von DER Dick-Tossek-Verschwörung.
Und er glaubt zu wissen, wer John ist, der Auftragsmörder.
Ich habe Volker ja persönlich kennenlernen dürfen auf der Frankfurter Buchmesse. Leider ist das zufällige Treffen nicht ganz so toll gewesen, weil ich  – zu meiner Scham – erst mal über den Krimi abgelästert habe. Und wusste nicht, dass der Autor gleich neben mir steht.
Aber wie es kommt, wurde alles gut und wir konnten dann doch zusammen lachen. So kann es halt gehen, wenn man einen Autor nicht kennt. Deswegen möchte ich Euch Dick Tossek, ähm hust, ich meine Volker Bitzer einmal genauer vorstellen.
Also, bevor ihr Kontakt mit dem Auftragsmörder John aufnehmt, hört erst einmal, was Volker zu sagen hat! Los, rauf aufs braune Sofa und sag, was Du zu sagen hast :-)

Wie kamst Du auf die Idee zum Buch über Dick Tossek?
„Die Dick-Tossek-Verschwörung“ ist eine Trilogie. Das Buch besteht aus drei Novellen, die im Zeitraum von 2011 bis 2016 veröffentlicht wurden. Ganz am Anfang hatte ich nur die Idee für eine Kurzgeschichte. Diese erste Idee stammt irgendwann aus der Zeit, als ich Anfang 20 war. Ich hatte eine Szene im Kopf: Ein Mann ersticht einen anderen Mann, steht in seinem Blut und erfährt durch dessen letzte Worte, dass er gerade den Falschen getötet hat. Mehr war da nicht. Diese Idee lag rund zwanzig Jahre in der Schublade. Mit Anfang 40 habe ich sie rausgekramt und daraus die Kurzgeschichte „Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?“ geschrieben. Das waren nur vier DIN-A-4-Seiten. Aber meine Testleser sind förmlich ausgeflippt: „Du musst unbedingt weiter daran schreiben“, haben alle gesagt. Das habe ich getan. Und schließlich ist daraus die erste Novelle geworden, die der Verlag dann nach dem eigentlichen Titel der Kurzgeschichte benannt hat: „Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?“. Das Buch kam 2011 raus. Für mich war das Thema damit erledigt. Aber wieder kam es anders. „Du musst unbedingt einen zweiten Teil schreiben“, haben dann alle gesagt. Und so ging’s weiter. Bis zum dritten Teil, der das Ende der Trilogie bedeutet. Man soll aufhören wenn es am schönsten ist.  

Wer genau ist Dick Tossek? Kurze Beschreibung bitte.
Dick Tossek ist der König der Unterwelt. Das Gefährliche: Er ist ein Phantom. Niemand weiß, wie er aussieht. Niemand kennt seine wahre Identität. 

Sind dort eventuell biografische Elemente mit darin verarbeitet?
Ja, die gesamte Trilogie ist durchzogen von Erfahrungen, die ich in verschiedenen Lebensabschnitten gemacht habe. 

Warum bist Du auf die Idee gekommen, aus drei Krimis einen zu machen?
Krimi-Novellen sind etwas für Spezialisten – sowohl auf der schreibenden als auch auf der lesenden Seite. Die meisten Menschen lesen lieber Bücher in Romanlänge. Um dieser größeren Leserschaft entgegenzukommen, haben der Verlag und ich gemeinsam beschlossen, die dritte Novelle, „Auge um Auge mit Tossek“, separat nur noch als E-Book zu veröffentlichen und sie in gedruckter Form mit Teil eins und Teil zwei zusammen als ein großes Buch anzubieten. Das hat sehr gut funktioniert.   

Ist schon ein neuer Krimi in Bearbeitung und wenn ja, möchtest Du mir kurz verraten, worum es diesmal geht?
Aktuell arbeite ich an einigen Kurzgeschichten. Für ein größeres Projekt habe ich gerade keine Zeit, weil ich noch sehr mit „Die Dick-Tossek-Verschwörung“ beschäftigt bin: Lesungen, Signierstunden, Interviews ...

Wärst Du lieber der Schurke oder der Gute in Deinen Krimis, falls Du dort eine Rolle spielen könntest?
Seien wir mal ehrlich: Wer will schon der Gute sein? Der Böse darf doch viel mehr. (👍)

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
Sehr sorgfältig. Wenn man über die organisierte Kriminalität schreibt, sollte man vorher ordentlich recherchieren und den jeweiligen Gruppierungen nicht die falschen Verbrechen zuschreiben. Die Kriminellen sind ja durchaus eitel. Und am Ende des Tages wollen wir alle in Ruhe unser Bier trinken – ohne uns ständig umzudrehen.   

Hast Du lange gebraucht, um einen Verlag zu finden, der Deine Bücher druckt und herausbringt?
Glücklicherweise ging es bei mir schnell. Nach einem halben Jahr war alles klar. Das ist aber nicht normal. Besonders für neue Schriftsteller ist es sehr schwierig, ihre Bücher veröffentlicht zu bekommen. Die meisten Verlage scheuen das Risiko und setzen lieber auf bekannte Autoren.  

Du warst bestimmt nicht immer Autor. Welchen Beruf hast Du vor dem Schreiben ausgeführt und seit wann bist Du am Schreiben.
Ich habe nach meinem Studium ein Volontariat bei einer Zeitung gemacht und dort das professionelle Schreiben gelernt. Das war im Jahr 1993. Ich hatte aber bereits vorher Kurzgeschichten geschrieben, die ich dann – mit meinen neuen Fertigkeiten –überarbeitet habe. Einige davon liegen sogar noch in der Schublade, andere wurden bereits veröffentlicht. Ich habe aber immer zwei Berufe gehabt und arbeite bis heute im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.
Hat sich Dein Leben verändert, als Du Dein erstes Buch herausgebracht hast?
Ja, ab dem Zeitpunkt war mir klar, dass ich nie wieder vom Schreiben loskommen würde. Das Gefühl, eine Geschichte fertigzuschreiben und sie veröffentlicht zu bekommen, ist mit nichts zu vergleichen. Einfach großartig.   

Wie sieht momentan Dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben? Und wie baust Du den Alltag in das Schreiben ein?
Tatsächlich gehe ich tagsüber meiner ganz normalen Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit nach. Das Schreiben beginnt dann abends. Manchmal sitze ich bis tief in der Nacht am Schreibtisch. Wenn ich in einer Geschichte drin bin, kann ich nicht aufhören, nur weil die Sonne gleich aufgeht. Solange es fließt, muss es raus.  

Hast Du noch Projekte, die Du in Zukunft erreichen willst oder beenden willst.
Ja, die gibt es. Aber ich muss leider noch darüber schweigen. 

Warum schreibst du gerade in diesem Genre?
Ich habe einfach zu viele Quentin-Tarantino-Filme gesehen. Genauer gesagt: alle. Und ich habe zu lange in England gelebt und den dortigen Humor förmlich inhaliert. Wenn man dann eine Geschichte schreibt, wird das fast zwangsläufig ein schwarzhumoriger Krimi. 

Was hat dir dein Vater und was hat dir deine Mutter mitgegeben?
 Mein Vater starb sehr früh. Das hat mich sehr geprägt. Ich habe dadurch gelernt, dass man Dinge, die man unbedingt tun will, nicht aufschieben sollte. Man weiß nie, wie viel Zeit man noch hat. Von meiner Mutter habe ich das Talent zum Schreiben.    

3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazu gehören?
Ausschlafen. 2. Eine gute Idee haben. 3. Sex. (😄)

Welcher Film bringt dich zum Lachen und welcher zum Weinen?
Zum Lachen: Hangover. Zum Weinen: Der Club der toten Dichter.
Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen und warum?
„Der Prozess“ von Franz Kafka: ein Meisterwerk, sprachlich und inhaltlich großartig.     
Von welchem Buch sollte man die Finger lassen und warum?
Lesen bildet. Selbst das dämlichste Buch ist besser als ein Videospiel. Nur von Literatur, die politisch oder religiös radikalisiert, sollte man die Finger lassen.  

Lebensmotto?
Bloß kein Motto! 

Was würdest du deinen Lesern gerne einmal sagen?
Das wissen die alles. Es steht in meinen Büchern.
Bestimmt wirst Du oft in Interviews das Gleiche gefragt. Welche Fragen kannst Du nicht mehr “lesen” und welche Frage würdest Du gerne einmal beantworten?
Die Frage, die mich jedes Mal befremdet ist, wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Dahinter steckt immer der Gedanke des Fragenden: „Wenn ich heute anfange, bin also auch ich in einem, zwei, drei ... Jahren fertig.“ So funktioniert das aber nicht, weil die meisten Menschen gar kein Buch schreiben können und weil jeder unterschiedlich arbeitet. Die Antwort auf die Frage ist also wertlos. Sehr gerne werde ich zu den einzelnen Charakteren in meinen Geschichten befragt. Woher die Namen kommen – und warum ich sie grundsätzlich so angelegt habe.  
  

Planst Du Deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?
Ein Grundgerüst zu haben, ist wichtig. Aber man sollte sich selbst nicht zu sehr einschränken, sonst beraubt man sich der Kreativität. Wenn einem plötzlich etwas einfällt, sollte man es auf alle Fälle aufschreiben. Bei mir landet das zwar nicht immer in der Geschichte, an der ich gerade arbeite. Aber keine Idee ist umsonst. Irgendwann kann man sie wieder auspacken und für eine andere Geschichte nutzen.  

Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir?
Weil Du so schlau warst, „Die Dick-Tossek-Verschwörung“ zu lesen, obwohl Du nach dem Klappentext dachtest, das Buch würde Dir nicht gefallen. Jetzt weißt Du, dass es großartig ist und willst alles über mich erfahren :-))) 
(Das stimmt, nun hat mich das Dick Tossekt Fieber auch gepackt. Aber auch Volker ist mir echt sympathisch geworden. Ich mag seinen schwarzen Humor!)

Wie gehst du mit negativen Rezensionen um?
Bislang hatte ich Glück und wurde sehr gelobt. Aber nicht jedem gefallen schwarzer Humor, explizite Sexszenen und Mord und Totschlag. Das ist mir als Schriftsteller bewusst und geht selbstverständlich in Ordnung. 

Was magst du überhaupt nicht in Büchern?
Szenen, die ich schon Tausendmal gesehen oder gelesen habe, nerven mich: Wenn zum Beispiel ein Flüchtender in sein Auto steigt und der Wagen nicht anspringt. Das ist der größte Mist. Die Häufigkeit, mit der das in Geschichten passiert, steht in keinem Verhältnis zur Realität. Es ist schlichtweg nicht originell. Einfach nur langweilig. Und das in einem Augenblick, in dem es eigentlich spannend sein sollte. Was ich aber grundsätzlich in Büchern nicht mag, sind Schriftsteller, die ihren Lesern die Zeit stehlen. Seitenlange Beschreibungen von Landschaften, der Speisekarte eines afrikanischen Restaurants oder der Form von Kieselsteinen in der Auffahrt: So etwas bringt eine Geschichte nicht voran. Das ist Zeilenschinderei auf Kosten des Lesers.     




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